Afenginn
"Opus" - 2016 (2-CD 87315)   
     
 
"Lux" - 2013 (CD 87243)   
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"Bastard Etno" - 2010 (CD 87183)   
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  "Reptilica Polaris" - 2008 (CD 87)  
 

 
  "Akrobakkus" - 2006 (CD 76)   
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  "Retrograd" - 2004 (CD 67)
     
 
Opus heißt das neue Werk des dänischen Projekts Afenginn, und ein Opus im klassischen Sinne ist es auch geworden: vier Sätze wie bei einer Sinfonie, in denen sich ein Klanguniversum weitab von traditionellen Mustern und Strukturen entfaltet. Afenginn hat aus Folk, Weltmusik und Klassik einen Sound geschaffen, der akustisch, innovativ, dynamisch und melancholisch zugleich ist. Und er hat der Band eine Reihe hochdotierter Preise bei den Danish Music Awards sowie weltweit Anerkennung und Erfolg eingebracht.

Ins Leben gerufen wurde Afenginn 2002 in Kopenhagen von dem Dänen Rune Kofoed und dem gebürtigen Finnen Kim Rafael Nyberg, zwei Musikstudenten, die schon bald eine feste Formation um sich scharten. Mit Mandoline, Geige, Klarinette, Kontrabass und Schlagzeug verband Afenginn die mystische Schwermut des skandinavischen Folk mit rhythmischem, energiegeladenem Balkan-Sound und schuf dabei einen ureigenen Stil, der gerade auch live durch das überzeugte, was das Wort Afenginn im Altnordischen bedeutet: Kraft und Berauschtheit.

Afenginn ging stets ungewöhnliche Wege: den ersten Plattenvertrag erhielten die Musiker nach einem Gig auf den Färöer-Inseln, als sie auf einem gesunkenen Fischerboot auftraten, das zu einer Art Mini-Konzertclub umgebaut worden war. Sie spielten mit Sinfonieorchestern oder bei Ballettproduktionen, schufen ein Album mit Bläsersätzen und einem Männerchor, und wenn es überhaupt Gesang auf ihren Platten gab und gibt - der Erstling Retrograd kam noch ganz ohne aus - dann schreibt Timo Haapaniemi, ein guter Freund Kim Nybergs, assoziative, surreale Texte, die sich aus verschiedensten Sprachen speisen und lateinische, finnische, spanische oder auch deutsche Elemente nebeneinanderstellen. "Ich wollte keine englischen Texte", erklärt Nyberg, der von Anfang an die Kompositionen für Afenginn erschuf, "da wird man so schnell in eine Schublade gesteckt."

Mit dem zweiten Album Akrobakkus startete Afenginn in Dänemark 2006 richtig durch, heimste einen renommierten Musikpreis nach dem anderen ein und erhielt zwei Jahre später ein hochdotiertes Stipendium vom Dänischen Kunstfond ("Statens Kunstfond"). 2006 stieß der gefragte Session-Gitarrist Aske Jacoby zur Band. Außer seinem musikalischen Talent brachte er auch geschäftliches Know-How mit und eröffnete damit neue Perspektiven - Afenginn unterschrieb kurz darauf beim deutschen Label Westpark Music und spielte 2010 beim Roskilde Festival. Weitere große Festivals und Showcases führte die Band u.a. zum SXSW, zum Stimmen Festival und dem folkBaltica Festival, dem Spot Festival oder dem Penang World Music Festival in Malaysia.

Auf ihrem fünften Album Lux, das 2013 erschien, wandte sich Afenginn allmählich von dem Sound ab, den sie selbst als "Bastard Etno" betitelt hatte. "Dieses Mal gingen wir an die Musik heran wie ein klassisches Ensemble", erklärt Nyberg, "und ich denke, das Ergebnis liegt irgendwo zwischen bildhafter Kammermusik und Sigur Rós."

Mit Opus geht Afenginn nun noch einen Schritt weiter: Nyberg, der selbst mehrere Danish Music Awards für seine Kompositionen verliehen bekam, konzipierte das Album wie eine klassische Sinfonie, als Werk aus vier Sätzen, jeweils etwa zwanzig Minuten lang und durch wiederkehrende Motive und Rhythmen verbunden. "Opus ist auf gewisse Weise ein Spiegel des Lebens - unkontrollierbar, unvorhersehbar, aber dennoch irgendwie zu steuern," so Kim Nyberg, "als Komponist macht es mir deutlich, dass verschiedene Elemente oft ein Ganzes ergeben, das größer ist als die Summe seiner Teile. Das möchte ich mit Opus unter anderem ausdrücken."

Tatsächlich spielte das Unvorhersehbare beim Schaffensprozess von Opus eine große Rolle: Auf einer Australientour verletzte sich Nyberg bei einem Unfall und saß daraufhin vierzig Tage lang auf Tasmanien fest, weil er wegen eines Blutergusses nicht fliegen durfte. Doch die erzwungene Ruhe fernab von Zuhause führte zu einem ungeahnten Kreativitätsschub, der ihn ausgerechnet in der Fremde wieder stark die Faszination der skandinavischen Folktradition entdecken ließ. Als Nyberg schließlich wieder nach Kopenhagen zurückkehrte, hatte er den Großteil des Materials für Opus im Gepäck.

Eingespielt wurden die Tracks mit einer leicht veränderten Mannschaft - Rune Kofoed verließ die Band in allseitigem Einvernehmen, und für ihn kamen gleich zwei neue Schlagzeuger, Ulrik Brohuus und Knut Finsrud, die Opus mit ihrem Parallelspiel eine stärker rhythmusbetonte Struktur geben. Weiterhin mit dabei sind - neben Kim Nyberg selbst an der Mandoline - Klarinettist Rasmus Krøyer, Niels Skovmand an der Geige und Cellist und Bassist Erik Olevik. Bei den Aufnahmen in Kopenhagen waren aber auch, wie bei jedem Afenginn-Album, zahlreiche Gastmusiker mit dabei, beispielsweise der durch seine Zusammenarbeit mit Yann Tiersen bekannte Sänger Ólavur Jákupsson oder Ale Carr von Dreamers Circus an der Cister. "Dänemark und Kopenhagen sind nicht so groß", sagt Nyberg. "Die Szene dort ist klein, da kennt man sich gut."

Anspruchsvoll und mitreißend bewegt Opus mit seinen leisen Tönen ebenso wie auch mit seinen wilden, überbordenden oder hymnischen Momenten. Eine Platte, die keine leicht verdaulichen Popsingles hervorbringt, dafür aber jenen, die sich darauf einlassen, intensive, tiefe Erfahrungen bietet. "Eines wollte ich mit dieser Platte unter Beweis stellen", erklärt Nyberg im Gespräch, "Instantbefriedigung ist nicht alles, was zählt. Es müssen nicht immer Facebook-Videos und kurze Informationsschnipsel sein, man darf auch mal wieder etwas Größeres erschaffen. Etwas, das eher wie eine richtige Beziehung ist - und nicht nur ein One-Night-Stand."

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„Afenginn“ bedeutet in der altnorwegischen Sprache soviel wie „kämpfen wie im Rausch“. Auf
Island wird der Begriff immer noch benutzt als Bezeichnung für einen bestimmten Grad des Rauschoder Euphorie-Zustandes. So als wollten sich zu viele halluzinogene Pilze auf ihren Weg zum menschlichen Gehirn machen. Das Wort hat aber auch eine esoterische Bedeutung: Die Berauschung des Menschen durch die Musik. Und eines ist sicher: Afenginn live auf der Bühne, mit Kim Rafael Nyborg in der Mitte - komplett mit Rastalocken und Mandoline als Achse und Komponist, eine nicht aufhaltbare Gestalt à la Obelix auf Zaubertrank -, ist ein Wahnsinnsritt auf einem östrogen-manipulierten Basilisken!