Talking Horns Geschichten (CD 87320)
"Geschichten aus dem Bläserwald" - 2016 (CD 87320)
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  Talking Horns to be horn (CD 87153)
& Martin Stankowski
"Verwirrte Hirten" - 2012 (CD 87242)
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  "Born to be horn" - 2008 (CD 87153)
blow up (CD 87098)
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  "Blow up" - 2003 (CD 87098)
blow up (CD 87098)
 

Eine Expedition ins Klangreich

Fernweh weckt die Musik der Talking Horns. Denn die musikalischen Schwergewichte für außergewöhnliche Klang-Reisen verlassen oft das weitläufige Gelände des Jazz und bummeln gerne auf dem Basar der Weltmusik. Ihre spielerischen Szenen- und Instrumentenwechsel sind ein voll beladener Zug durch alle Körperchakren. Angetrieben von einer Herde zahlreicher Blech- und Holzblasinstrumente schlagen sie sich in die Presche. Dieser Treck Richtung Soundprärie vermittelt den Eindruck, dass da nicht nur ein Vierergespann, sondern eine ganze Big Band unterwegs ist.

Der instrumentale "Fuhrpark" der Band besteht aus schwerstem Gerät: Bassposaune, Baritonsaxophon, Tuba und Sousaphon für tiefes, grooviges Gelände. Posaune, Alt-, Sopran- und Tenorsaxophon navigieren in entlegene Täler, wo die luftige Bassklarinette und das geschmeidige Euphonium für weitere klangliche Bereicherung sorgen. Hier und da entdeckt man eine flinke Flöte, gefolgt von einer eleganten Basstrompete. Aus Kalebassen, Trommeln und "Funny Instruments", die zwischen Madagaskar, Sri Lanka und diversen Flohmärkten im Reisegepäck gelandet sind, fließen eigentümlich rollende exotische Rhythmen.

Im Uptempo werden Sequenzen eines Balkan-Thrillers angeschoben und können im allernächsten Moment mit elegischen Passagen wechseln, die wiederum in eine melodische Karawane der afrikanischen Steppe mit arabisch-fernöstlicher Tonfarben münden. Einmal in Fahrt mutiert der Klangwagen zum fliegenden Sound-Teppich und dann zum funky Raumschiff mit körperbetonten Rhythmen. Die Anzahl der Koordinaten ist verblüffend.

Als amüsanter Trip durch die gesamte Jazzliteratur mit neugieriger Spielfreude im Gepäck stoßen die Talking Horns auf hohem technischen und musikalischen Niveau auf zu ohrwurmbesiedelten Ufern. Die kaleidoskopisch in alle Himmelsrichtungen gestreckten Stücke erinnern bisweilen an eine perfekt ausgefeilte tonale Wanderung klassischer Streichquartette. Mit einer gehörigen Portion im Jazz leider selten gewordener Selbstironie bleiben sie ihrer Spur treu und verirren sich nicht in lähmender Kopflastigkeit. Eine akustische Reise die von überall beginnen kann. Wieder daheim wird man das Gefühl nicht los, die halbe Welt bereist zu haben.
Stefan Nauheimer

Verwirrte Hirten:
Das etwas andere Weihnachtsprojekt der Talking Horns mit Geschichten von Martin Stankowski

Ab November ist Stimmung im Kalender angesagt, die Zeit von Advent, Winter und Weihnachten - aber auch die Zeit für Schnupfen, Husten, Heiserkeit und darum auch die Chance zu Ruhe und Besinnlichkeit. Häufig verbunden mit Blasmusik und befrachtet mit Nikolaus oder Weihnachtsmann. Die Rheinischen Jazzbläser Talking Horns suchen hinter den Weihnachtsbäumen nach Musik jenseits des frommen Repertoires. Dabei streifen sie Bach und die Klassik ebenso wie traditionelle Volksmusik, angereichert mit den wichtigsten Elementen des Jazz, der Improvisation. Die herbst-winterlichen Empfindungen der Blasmusikanten können durchaus auch mal sentimental sein, ohne im Kitsch zu rühren: Sie bedienen sich der Melodien und Musiken, die wir als typisch für Weihnachten kennen und machen sich dann auf und davon unter dem weiten Himmel der Musik.

Martin Stankowski erzählt dazu die passenden Geschichten, die die Feste und Riten auf das zurückführen, was sie immer schon sind: Stimmungskanonen. Kein Zufall ist die Häufung von Festen zwischen dem 11.11. über Nikolaus und Barbara hinweg zu den Höhepunkten an Weihnachten und Neujahr bis zu den Heiligen 3 Königen im Januar. Ob Sonnenwende oder Jahresende, Rauhnacht oder biblische Geburt - da ist viel Rummel im winterlichen Stimmungshaushalt. Kelten, Germanen, Christen und der gute Luther mischten heftig mit im Sagenkreis der Weihnachtszeit. Alles kommt vor, heilig und pagan, gequirlt und gefiltert und dann wieder neue bepfeffert: frisch auf den Gabentisch.

Martin Stankowski
Am liebsten redet er und erzählt und versucht mit dem gesprochenen Wort nahe an der Alltagserfahrung zu bleiben. Selbst wenn das Wort aufgeschrieben wird, bleibt es doch Teil unserer narrativen Kultur, denn immer haben Menschen sich Geschichten erzählt.

Martin Stankowski ist Journalist, Autor und Geschichtenerzähler, im Sauerland aufgewachsen, hat vor über 40 Jahren beim WDR gelernt, auch studiert, Politik gemacht und sich vor allem Köln und dem Rheinland verschrieben. Seine Bücher und gemeinsamen Auftritte mit den Freunden und Kabarettisten Jürgen Becker oder Rainer Pause, die anderen Stadterkundungen, die Klangstätten mit den Talking Horns und Führungen haben zu einem neuen Bild der Kölner über sich und ihre Stadt beigetragen. Für den WDR hat er an Sendeformen und Konzepten mitgearbeitet wie den "Funkhausgesprächen", an der Serie "Schräge Orte - Starke Plätze" und im WDR gemeinsam mit Roger Willemsen die "lange literarische Sommernacht" der von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang.


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