John Jones
 
"Never Stop Moving" - 2015 (CD 87277)

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"Rising Road" - 2009 (CD 87179)

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John Jones ist wohl am bekanntesten als kraftvoller und charismatischer Sänger der englischen Formation Oysterband, einer der führenden Bands der britischen Folkrock- und Politrock-Szene, ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen. Parallel dazu bewegt sich John auf eigenen Pfaden und "Never Stop Moving" markiert die zweite CD seiner Solokarriere und ist gleichzeitig sein bisher kreativstes Album.

Der Hintergrund dieses Albums ist interessant, denn es entstand in einer wichtigen Phase sowohl für die Oysters als auch für John. Die Oysterband hatte bereits mit Ray "Chopper" Cooper ein langjähriges Mitglied an eine Solokarriere verloren und begann zu einem reduzierten, mehr traditionellen Sound überzugehen. Und dann, wie aus dem Nichts, hatte John einen großen Kampf mit einer ernsten Krankheit - und das alles sorgte für eine besondere Konzentration auf das Songwriting und auf dessen emotionalen Inhalt.

"'Never Stop Moving'", erzählt John, "habe ich während der Arbeiten zum aktuelles Album der Oysterband in den letzten drei Jahren geschrieben, nicht unterwesentlich beeinflusst von meinen Wanderungen kreuz und quer durch meine Heimat. Ich hoffe, es spiegelt meine Begeisterung für diese versteckten kleinen Dörfer, für dieses schöne, neugierige und widersprüchliche Land und die eindringlichen Geschichten, die unter der Oberfläche vorhanden sind, wider.

Zwangsläufig ist dies auch ein Teil meiner eigener Geschichte, denn während der Entstehung der Songs wurde bei mir Ende letzten Jahres Darmkrebs diagnostiziert. Es folgte eine unheimlich kreative Phase und aus den großen Songs, die aus kleinen Geschichten entstanden sind, die eigentlich mein großartiges English Folk- und Country-Album bilden sollten, wurden nun die Songs, die mein Überleben und die Freude am Leben zu sein, dokumentieren.

Ich wollte, dass das Album eine sanfte Aufbruchstimmung hat, auch in den dunkleren Geschichten, und als der Song ‚Never Stop Moving" so ziemlich zum Schluss dazukam, schien dieser genau meinem Gefühl als Überlebender zu entsprechen und wurde so zum Titel des gesamten Albums."
"Irgendwann und irgendwo in meinem Leben", so John weiter, "haben sich die Pracht der Folklore, die Macht des Geschichtenerzählens, Kirchenmusik, Punk und Northern Soul miteinander verflochten und mitgeholfen, meine Musik zu formen. Irgendwie wird meine Stimme in meinem Alter immer stärker und origineller, was ziemlich erfreulich ist. Die Songs sind ein Produkt meiner Phantasie, die in diesen Tagen freier zu sein scheint - rücksichtslos, aber nicht so bitter und böse".
Mit auf diesem musikalische Ausflug sind eine Vielzahl von talentierten Musikern und Sängern, darunter Al Scott, Benji Kirkpatrick, Lindsey Oliver, Tim Cotterell, Boff Whalley, Rowan Godel und François Deville, deren instrumentale und gesangliche Beiträge eine perfekte Passform für Johns Gesang, Kompositionen und musikalische Visionen bilden.

"Ich denke immer, dass im Gegensatz zu den kleinen, persönlichen Liedern eines riesigen Landes, die dieses auch charakterisieren sollen, also zum Beispiel amerikanische Country-Musik, haben britische Folk-Balladen hier auf einer so kleinen Insel ein episches Ausmaß und tiefere Bedeutung. 'Big Songs from a small country" - so lautet für mich die Zusammenfassung dieses Album, aber natürlich könnte dieser Ausdruck auch nur eine Geisel des Glücks sein".

Rising Road: John Jones kehrt auf seinem ersten Soloalbum zu seinen Wurzeln zurück. Gemeinsam mit alten und neuen Freunden bearbeitet er einige wunderbare Traditionals, die er in seiner Jugend geliebt hat, gepaart mit einigen schönen, selbst geschriebenen Songs.

Die Idee zu diesem Album entstand, als er in einer kurzen Schaffenspause der Oysterband mit seinen Freunden Benji Kirkpatrick (Bellowhead, Faustus) und Seth Lakeman tourte. Die Zusammenarbeit war so gut, dass der erste Gedanke für ein gemeinsames Projekt geboren war. Vier Jahre später war Rising Road beschlossene Sache. Das Programm bietet musikalische Beiträge von Benji und Seth, wie auch von Ian Kearey (Banjo, Dulcimer), Rowan Godel (Gesang), Sophie Walsh (Harfe), Dil Davies (Perkussion, Schlagzeug), Francois Deville (Pedal Steel Guitar) und Alan Prosser (Gitarre). Produzent Al Scott steuerte, wo erforderlich, zusätzliche Klangfarben bei.

John liebt die britischen Naturlandschaften und war schon immer davon überzeugt, dass die traditionellen Lieder fest zu den wunderbaren Landschaften gehören. Deswegen entschied er sich für Lieder, die diese Überzeugung reflektieren: "Eine Menge Lieder, die ich singe, sind traditionell. Ich bin kein Städter - ich denke, Folklore sollte ländlich und für alle offen sein. Wenn ich singe, stelle ich mir die Bilder zu den Songs vor - und die Landschaft ist nun mal ein sehr großer Teil des Ganzen. Viele der Songs auf dem Album sind neu entstandene Erinnerungen an Liedern, die ich seit vielen Jahren kenne. Ich entschied mich für Songs, die für mich eine Geschichte enthalten, eine feste Verbindung zu mir haben."

Das Album ist intimer als die Oysterband-Produktionen. Johns gesamte stilistische Spannbreite kommt zur Geltung. Das traditionelle Polly On The Shore zum Beispiel erfährt eine brillante, leichte a-capella Neubearbeitung, die mehr nach amerikanischem Süden als nach britischer Countryside klingt. "Ich habe mir viele von Alan Lomaxs amerikanischen Gefängnis-Landarbeiter-Aufnahmen angehört und dieser perkussive Bezug vom Lied zur Arbeit schien genau richtig zu sein."

Neben sieben traditionellen Liedern - unter anderen das sanfte Rocks Of Bawn, das ergreifende Newlyn Town und das mitreissende, shanty-angehauchte Fire Marengo - finden sich fünf von John neu geschriebene Titel. - "Einige der Lieder, die ich für dieses Album geschrieben habe, haben einen existierenden Platz auf der Landkarte". Darunter ist das Stück Walking Through Ithonside, welches das wilde, ungezügelte walisische Land erforscht, in dem er lebt. Diese Neu-Verbindung von Landschaft und Musik ist einer der wichtigsten Punkte in der Entstehung von Rising Road. Das Album gibt ebenso einen Einblick in Johns Walking Tour vom Frühjahr 2009. John wanderte von seiner walisischen Heimat zu allen Auftrittsorten der Tour, die beim großen Oysterband-Big-Session-Festival in Leicester endete - eine Strecke von immerhin über 300 Kilometern. Die Themen des Albums (wie auch der Titel) atmen auch die Erfahrung von einigen Wochen auf der Straße, in denen Fans, Freunde und Musiker ihn immer wieder zu Fuß zu den Konzerten begleiteten. Teils als Test der Ausdauer, teils als verrückte Idee, teils aus Liebe zur heimischen Natur - diese Wanderung half ihm enorm, seine Gedanken über das neue Album zu kristallisieren.

"Ich habe soviel Zeit in meinem Leben mit Reisen verbracht, aber das meiste davon in einem Tourbus sitzend. Ich schaue meist aus dem Fenster und sehe die Schatten der Berge, die vorbeiziehen, und frage mich immer, wie es wohl wäre, da draußen zu sein", sagt John. Die Idee zur Wanderung und zum neuen Album entwickelten sich zu Zwillingsprojekten und jeder, der daran beteiligt war, war so begeistert, dass John hofft, dass dies nicht die letzte Walking Tour gewesen ist.

Stellt sich noch die Frage, warum nach 30 Jahren Musik das erste Soloalbum? "Die anderen Mitglieder der Band haben schon öfter ihre eigenen Projekte gemacht. Aber für mich als Sänger ist das schwerer, denn meine Stimme war immer fest mit der Musik der Oysterband assoziiert", erklärt John. Aber die Idee für das Solo-Album brodelte seit Jahren in ihm. Da kam die Tatsache, dass die Oysterband sich 2009 eine sechsmonatige Pause gönnte für die Realisierung gerade recht. "Mit Rising Road hatte ich nun endlich die Chance zu zeigen, was ich tue und wer ich bin, wenn ich nicht als Frontmann der Oysterband agiere".